Japan(er) sehen und …

Auf nach Tokyo

So eine Zugfahrt hat auf mich schon immer beruhigend gewirkt. Schon damals, als ich für mein Studium nach Rostock gezogen bin und dann immer meine lieben Eltern besuchte. Aber dass ich jetzt, mit 31, in der ersten Klasse des Shinkansen sitze und auf dem Weg nach Tokio bin, das hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Ich kam dazu, ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde, wie man so schön sagt.
Damals, während meines Studiums für Schiffbau und maritime Technik, habe ich mich im Studentenwohnheim einquartiert und direkt neben mir, da zog dieser süße Japaner ein. Akeno war in meinem Alter, nicht so zurück gezogen, wie man es sich immer vorstellt und wir freundeten uns schnell an, denn er wollte unbedingt alles erleben, dass er so als typisch deutsch auf einer kleinen Liste aufgestellt hatte.
Zu meinem großen Leid war er so niedlich, dass mein Herz immer wieder höher schlug, wenn ich Akeno ansah. Dieses schwarze Haar, die dunklen, mandelförmigen Augen und sein Lächeln, naja, wenn er denn mal lächelte, machten mich schnell schwach. Zu diesem Zeitpunkt gestand ich mir endgültig ein, dass ich mit Frauen wohl nichts anfangen kann. Sehr zu meinem Leidwesen mein kleiner Japaner aber schon.
Als ich ihn eines Tages während der Semesterferien mit zu meinen Eltern nahm, da lernte er meine Schwester kennen, Beatrice. Sie und ich, wir sehen uns recht ähnlich, wenn man davon absieht, dass ich ein Mann bin… Auf jeden Fall erfüllen wir aber das deutsche Klischee recht gut. Wir sind in der ganzen Familie blond, blauäugig und groß. Nur ist meine Schwester nicht auch 1,89, so wie ich, sondern „nur“ 1,75. Dennoch überragt sie Akeno ein kleines Stück.
Mein Freund fand das aber richtig toll und Beatrice teilte sehr schnell meine Leidenschaft für „unseren“ Japaner… So kam es, wie es kommen musste. Beatrice und Akeno wurden ein Paar, zogen nach Japan und wurden sehr glücklich. Einer der Gründe, wieso ich in Niigata zu Besuch bei den beiden war. Naja, ich wollte sie einfach einmal wiedersehen und wissen, wie mein Neffe aussieht, der erst vor drei Monaten das Licht der Welt erblickt hat.
Außerdem habe ich Akeno noch etwas zu verdanken. Er ist der Chef einer der Truppen, die in der Werft der Takira Cruiser Corp. dafür verantwortlich sind, dass die Entwürfe der Designer auch zu ihrer vollen Zufriedenheit umgesetzt werden. Als der Juniorchef sie vor Kurzem besuchte, unterhielten sie sich darüber, dass sie gern ein wenig … europäischer werden würden, was Design und Umsetzung angeht.
Da dachte Akeno sofort an mich, denn er wusste, wie gern ich mich beruflich neu orientieren wollte und auch, dass ich gern nach Asien gehen würde, eben speziell nach Japan. Gesagt, getan. Er rief mich an, ich bewarb mich, via Skype lief ein sehr … interessantes Bewerbungsgespräch mit Takira no Hisashi, dem derzeitigen Oberhaupt des Takira–Clans, altem Samuraiadel aus Japan, sehr traditionell und auf japanische Sitten und Gebräuche bedacht.
Zu meiner Verwunderung, oder eher nicht, sprach er ein sehr gutes Deutsch und den Rest bekamen wir mit Englisch hin und so wurde ich eingestellt.
Nun sitze ich eben abends im Shinkansen und lasse Japan an mir vorüber ziehen. Langsam geht die Sonne unter und das Panorama ist wirklich einzigartig… Sonnenuntergang im Land der aufgehenden Sonne, das entbehrt nicht ganz einer gewissen Ironie und ich muss doch tatsächlich lächeln, als ich meinen Blick durch die erste Klasse schweifen lasse. Aber es gefriert sofort.
Mir schräg gegenüber sitzt ein junger Japaner, den ich gerade unbewusst angelächelt habe. Dabei sind sie hier doch so reserviert, dass sie zum Lachen in den Keller gehen. Sicher dreht er sich gleich entsetzt von mir weg. Dabei ist er doch so niedlich und süß, dass ich ihn gern eine Weile betrachtet hätte.
Schon felsenfest davon überzeugt, dass er gleich die Nase über mein Verhalten rümpft, falle ich fast aus meinem Sitz. Er zuckt doch tatsächlich mit seinen Mundwinkeln und zieht sie nach oben, während er schüchtern eine Strähne seines Haares hinters Ohr schiebt. Wie habe ich denn das zu werten? Na gut, bevor ich jetzt irgendetwas falsch mache und mich bis auf die Unterhose blamiere, packe ich lieber mein Tablet aus und versuche, ein wenig der Sprache zu lernen. Nur leider hebt sich mein Blick immer wieder, damit ich diesen Japaner betrachten kann, der selbst in ein Buch vertieft ist.
Irgendwann bin ich kurz eingenickt, wie es scheint. Denn nach meinem power nap, japanisch Inemuri, eines der wenigen Worte, die ich schon kenne, sind nur noch der junge Mann und ich in diesem Abteil übrig, als der Zug wieder losfährt. Wir haben also an einem Bahnhof einen Zwischenstopp gehabt….
Gerade, als ich mich strecken will, bleibe ich mitten in der Bewegung stecken, denn mein Gegenüber erhebt sich und kommt näher. Der süße Typ kommt doch wirklich zu mir rüber, lächelt mich schon beinahe verführerisch an und mir kribbelt es sofort die Wirbelsäule hinunter. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann….
„I’m sorry. I don’t want to disturb you, but I have to. My name is Hikaru.“
Oh, diese Stimme… so schön weich und samtig. Reiß dich zusammen, Mann! Was hat er gesagt? OK, er will mich nicht stören, tut es aber dennoch und entschuldigt sich dafür. Hmmm, Hikaru… was für ein schöner Name. Er bedeutet „strahlend“, so, wie seine Augen es sind. Aber gut, ich sollte wohl endlich mal antworten, oder? Der Kleine steht nämlich wirklich nervös da und sieht mich fragend an.
„Hey, my name is Frank and please do not worry. You don’t bother. So, what can I do for you?“
Ja, das sollte gehen. Ich habe mich höflich vorgestellt, erklärt, dass es kein Problem ist und gefragt, wie ich ihm helfen kann. Jetzt noch eine höfliche Verbeugung, wenn auch im Sitzen, und alles ist gut. Hikaru sieht ein wenig erleichtert aus. Als ich ihm auf Englisch antworte, atmet kurz durch und spricht dann selbst in nahezu perfektem Englisch weiter.
„I don’t know, how to say it politely. But I saw you, when you were going to find yourself something to eat. You are really tall and have such a nice colour of your hair and eyes and I wanted to ask you, if it would be possible that …“
Jetzt bin ich gespannt. Der süße Japaner redet ein wenig um den heißen Brei. Anscheinend hat er mich beobachtet, als ich mir etwas zum Essen geholt habe und dabei meine Größe bewundert, sowie meine Haar- und Augenfarbe. Was wird er nun wohl wollen? Ich kann es mir schon denken, will es aber von Hikaru selbst hören, denn es ist für einen Mann eher ungewöhnlich. OK. Er hat nochmal tief durchgeatmet und fängt neu an.
„May I take a picture of you and me? Well, I mean together… close…“
Das letzte Wort war so leise, dass es kaum noch zu verstehen war. Es klang ein wenig wie nahe. Aber sein Anblick lenkt mich davon ab, was er da wirklich gesagt hat, denn es sieht niedlich aus, wie er dabei seine Finger verknotet, während Hikaru mich danach fragt, ob er ein Foto von uns beiden schießen darf. Wieso sollte das denn nicht gehen? Natürlich lächle ich freundlich und sage zu. Nur, wie stellt er sich das vor?
„Why not? Of cause we can do, whatever you want.“
Ich hätte vielleicht nicht sagen sollen, dass wir tun können, was immer er will, denn der Kleine sieht mich leicht verzweifelt an… und irre ich mich, oder sehe ich da einen feinen Rotschimmer um Hikarus Nase aufleuchten? Was er wohl jetzt von mir denkt? Nun räuspere ich mich wohl lieber mal…
„I … I wanted to say, that we can take that picture in any way, you want it.“
Nein, das klang jetzt auch nicht viel besser. Wie auch immer du es haben willst. Das klang wohl doch eher nach einer Anmache, als allem anderen. Bevor ich mich noch mehr um Kopf und Kragen rede, stehe ich mal lieber auf. Gesagt, getan.
Ist nur schwierig, wenn sich der Zug mit 300 km/h auf den Schienen in eine scharfe Kurve bewegt und das niedliche Kerlchen genau vor einem steht. Führt nämlich dazu, dass man das Gleichgewicht verliert und den Japaner zwischen sich und dem nächsten Tisch einklemmt, er leise aufstöhnt und das Geräusch, dieses leise ‚Ugh‘, gepaart mit seinem Duft, einem direkt in den Schwanz fährt. Hat viel Schönes, plötzlich halb steif dazustehen….
Schneller, als er es hätte bemerken können, zumindest hoffe ich das jetzt einfach, stehe ich wieder auf eigenen Füßen und starre vorerst in die Abenddämmerung hinaus, bis Hikaru sich wieder in meine Gedanken schleicht. Er hat sein Handy gezückt, natürlich eins der neuesten Smartphones, die es gibt, und schiebt sich doch wirklich recht nahe an mich heran. Nicht, dass mir das nicht gefallen würde, aber es wundert mich ein wenig.
Ich kann langsam nicht mehr klar denken, denn Hikaru riecht so verdammt gut! Was ist das? Ist das Rabanne? Oder Boss? Banani? Eigentlich auch vollkommen egal. Er duftet so lecker, dass ich ihn gern anknabbern würde. Hier, jetzt, sofort! Ein Glück, dass er nicht in meinen Kopf sehen kann….
Gut, nun stehen wir also hier und ich kann mich nicht dem Eindruck erwehren, dass der süße, kleine Hikaru sich gern noch näher an mich heran schieben möchte. Aber sicher ist das nur Wunschdenken. Trotzdem liegt er nur Momente später wirklich an meiner Brust, denn der Shinkansen ruckelt und nun ist es Hikaru, der sein Gleichgewicht verliert. Automatisch habe ich meinen Arm um seine Hüfte gelegt, um dem Kleinen zu helfen, und ihn aus Versehen ganz nah an mich ran gezogen. Das fühlt sich so gut an, dass ich verzückt meine Augen schließe und mir auf die Unterlippe beiße, um nicht aufzustöhnen.
Irre ich mich, oder hat er genau in dem Augenblick abgedrückt? Oh verdammt! Wenn er das Bild sieht, dann wird Hikaru gleich wissen, wie es um mich steht! Sicher will er nicht im Arm eines schwulen Ausländers liegen. Das wird peinlich werden, wenn er sich das Bild betrachtet.
„Thank you very much“ – oder aber auch nicht.
Ich vergaß, wie zurückhaltend Japaner doch sind. Wenn es ihm wirklich peinlich ist, dann zeigt Hikaru es nicht.
„Your welcome “, presse ich mühsam heraus und gehe auf Abstand.
„May I give you a little present?“
Was? Hikaru will mir eine Kleinigkeit schenken? Wieso das denn? Das ist nicht notwendig! Wenn er doch nur nicht, während er wohl überlegt, was er mir schenken könnte, mit seinem Zeigefinger auf diese wunderschönen, vollen Lippen tippen würde, die leicht feucht schimmern. Hat er sie erst mit seiner Zunge angefeuchtet? Oh, die ist bestimmt ganz süß und rosa und samtig… Reiß dich zusammen, Frank! Du hast wirklich zu lange keinen Mann mehr gehabt! Der Junge ist unschuldig und einfach nur freundlich, nicht mehr!
„Well… no. I don’t think, you have to do this. It was only one picture.“
„Oh… OK…“
Hikaru sieht jetzt irgendwie leicht geknickt aus. Aber ich habe ihn doch nicht beleidigt. Das war nur eine Phrase, die er nutzte, und ich habe passend geantwortet. Nein, sicher habe ich mich vertan, denn nun lächelt er wieder so niedlich, verbeugt sich – ich ebenfalls – und ist schneller an seinem Platz, als ich blinzeln kann. Innerlich seufzend, sitze ich auch gleich wieder und versuche nun, mich in einen Touristenführer für meine neue Heimatstadt zu vertiefen.
„Tokio für Unerfahrene“ ist aber leider nicht mal halb so spannend, wie der Anblick als ich meine Augen wieder nach oben richte. Hikaru hat ein Knie auf seinem Sitz und streckt sich gerade nach oben zu seinem Reisegepäck. Nur leider schiebt sich dabei gerade dessen himmelblaues Poloshirt nach oben und entblößt einen Streifen seiner Haut.
Außerdem habe ich so einen genialen Blick auf den perfekten Popo des süßen Kerlchens. Oh nein! Wieso nur muss er in dieser Jeans auch so rund und knackig aussehen? Ich merke, wie schon wieder Blut in einen Körperteil schießt, in dem es nichts zu suchen hat!
So langsam gebe ich auf! Ich kann mich überhaupt nicht mehr konzentrieren!
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann … könnte ich fast denken, Hikaru hat sich mit voller Absicht so in Pose geworfen. Ich muss… ich muss… was muss ich doch gleich? Ja, aus dem Fenster sehen, bis ich mich beruhigt habe und dann aufstehen, damit ich mein Tablet und den Fremdenführer in meinem eigenen kleinen Köfferchen unterbringe.
Ich bin froh, dass ich meinem Anzug trage, denn der ist ein wenig … weiter geschnitten. So habe ich ein wenig mehr Platz an bestimmten Stellen, denn er ist maßgeschneidert.
Da habe ich keine Bedenken, dass die Schultern reißen oder mein Penis zu sehr eingeengt wird. Gerade bin ich dafür wirklich äußerst dankbar. Um mich noch ein wenig zu beruhigen, tue ich so, als müsste ich noch etwas suchen. So sehe ich wenigstens Hikaru nicht andauernd an … der sich gerade an mir vorbei quetscht. Ja, wieso auch nicht? Ist ja nicht so, als müsste ich mir auf die Zunge beißen, weil ich spüren kann, wie sich sein Becken an meinem Hintern vorbei zwängt und aus Versehen seine Hand über meine Hüfte gleitet. Scheiße bin ich geil auf den Kleinen! Ich. muss. hier. dringend. raus! Sonst geschieht noch ein Unglück!
„I’m sorry“, flüstert er nun auch noch.
„Don’t worry.“
Zu mehr bin ich einfach nicht mehr in der Lage und schon das ist sehr gepresst.
„Better be happy”, höre ich sehr leise hinter mir.
Das ist doch jetzt nicht wahr, oder? Habe ich mich verhört, oder hat er das wirklich gesagt? Ruckartig drehe ich mich nun um, nur um zu sehen, wie der kleine Japaner knallrot anläuft, aber wieder so süß und schüchtern lächelt! Kann es denn wirklich möglich sein, dass…?
Ehe ich mir selbst widersprechen kann, ruckt es wieder und wir beide verlieren jeden Halt, denn die nächste Kurve war unsere. Reflexartig schlinge ich wieder meine Arme um ihn und wir knallen ein wenig unsanft auf meinen Sitz. Oder besser, ich lande hart auf meinem Hintern und mit dem Ellenbogen auf der Lehne, denn Hikaru sitzt nun breitbeinig auf mir. Zu allem Überfluss habe ich auch noch den Knopf erwischt, der dazu gedacht ist, den Sitz zur Liege umzufunktionieren. Das führte dazu, dass auch der süße Kerl nach vorn gekippt ist.
Während ich wie gebannt in Hikarus dunkle Mandelaugen starre, registriere ich nur am Rand, dass er ein wenig hektischer atmet, während er sich mit einer Hand an der Kopfstütze abstützt und sie andere sich irgendwie zu meinen Haaren verirrt hat. Aber ich bin kaum besser. Ich habe eine Hand auf dem perfekten Hintern, der Daumen meiner anderen streichelt wie automatisch über den Streifen Haut, den ich vorhin schon bewundert habe. Nun stöhne ich wirklich leise auf.
„Was machst du nur mit mir? Ich kann mich kaum noch beherrschen! Wieso bist du nur so süß? Ich würde dich wirklich gern küssen…“