Santa Claus in Love

1. Kleine Kinder – große Freude

„Papa, Papa!“, schrie ein kleiner, vierjähriger Junge und rannte seinem Vater in die Arme, der sich gerade noch den Schnee von der Jacke wischte, als er durch die Tür des Kindergartens trat.
Dem Schneegestöber draußen gerade so entkommen, strahlte er seinen Sohn an, der dem jungen Mann mit einem breiten Lachen in die Arme sprang und ihn dabei fast umwarf. Der Vater betrachtete seinen Kleinen aus verwunderten, rehbraunen Augen und versuchte den Grund für die Freude des Kindes zu erahnen.
„Was ist denn los, Julius?“, wollte er auch schon wissen, ließ sich aber von dessen Lachen anstecken und wuschelte ihm durch die blonden Haare. ‚Wie die seiner Mutter‘, dachte er wieder einmal traurig.
„Der Weihnachtsmann ist da“, flüsterte Julius da auch schon in verschwörerischem Tonfall.
„Was?“, machte sein Vater große Augen. ‚Verdammt! Habe ich den Aushang dazu übersehen? Ich habe gar kein Geschenk für Julius abgegeben. … Kann mir ja so schon kaum was leisten. Aber zumindest eine Kleinigkeit … Nur … wieso lacht er dann?‘
„Gab es denn auch Geschenke? Ich habe gar nicht gewusst, dass der heute hier rein schneit“, meinte sein Papa und sah sich fragend um.
„Hmmm“, nickte sein Sohn und rannte wieder davon.
„Ah, hallo Leif“, begrüßte ihn endlich eine der Erzieherinnen.
Er wischte sich noch schnell die kalte und nasse Hand an seiner alten Hose ab, die kaum noch den Schnee abhalten konnte, bevor er die ältere Dame begrüßte.
„Guten Tag Nancy“, meinte er und hielt ihr endlich seine Finger entgegen. „Es tut mir leid, dass ich das verpasst habe. Aber ich habe den Zettel nicht …“, begann er.
„Was?“, fragte ihn die Frau Anfang 50 verwundert.
„Na … der Weihnachtsmann“, meinte Leif ein wenig verlegen.
„Ach … der …. Ja, der kam heute ganz unerwartet und hatte für alle Kinder Geschenke dabei. Es steckt ein mildtätiger Spender dahinter, den wir auch nicht kennen. Der Herr, der in der Verkleidung steckt, rückt mit der Sprache nicht raus. Aber er ist sehr nett und lächelt die ganze Zeit. Er scheint sich mit den Kindern wohl zu fühlen. Komm, begrüß‘ ihn doch noch schnell.“
Bevor Leif protestieren konnte, zog die resolute Frau den verwunderten Vater mit sich, der im Gruppenraum gerade sah, wie sein Sohn auf den Schoß des Weihnachtsmannes kletterte und ihn ein wenig am Bart zog.
„Hey“, lachte der junge Mann darunter mit tiefer Stimme und hielt den falschen, weißen Flausch an Ort und Stelle.
Diese Stimme, sie jagte Leif einen angenehmen Schauer über den Rücken. Dann beugte sich der Weihnachtsmann ein wenig näher an seinen Sohn und fragte den Jungen.
„Na, Julius, was wünscht du dir denn noch von mir? Also, wenn der Weihnachtstag kommt, meine ich.“
Der Kleine überlegte nur einen kurzen Moment. Dann zupfte er am Mantel, zeigte auf seinen Vater und flüsterte so laut, dass es der ganze Raum mitbekam.
„Ich wünsche mir, dass Papa jemanden findet. Er ist immer so traurig und soll wieder lachen“, gab der Knirps von sich.
In diesem Moment lief sein Vater rot an und blaue Augen blitzten unter der Kapuze hervor, die ihn zu durchdringen schienen. Doch bevor er näher darauf eingehen konnte, wand sich der andere Mann seinem Kind wieder zu.
„Dein Papa ist wohl alleine?“, wollte er wissen.
„Ja“, nickte Julius auch schon. „Ist er und er ist immer traurig.“
„Na dann werde ich versuchen, deinen Wunsch zu erfüllen!“, gab der Mann mit dem angeklebten, weißen Bart von sich.
Er ließ Julius wieder von seinem Schoß und fixierte dessen Vater noch einmal mit seinem intensiven Blick, bevor er sich dem nächsten Kind widmete.
‚Diese Augen … woher kommen sie mir bekannt vor?‘, fragte sich Leif gerade, als er in seiner Grübelei unterbrochen wurde.
„Es tut mir leid, dass dein Sohn das so laut heraus posaunt hat“, gab seine Erzieherin kleinlaut zu.
„Was?“, fragte Leif leicht verwirrt. „Du kannst nichts dafür, dass es so ist, wie es ist. Ich wünschte eher, ich hätte mehr Geld, um ihm etwas wirklich Schönes kaufen zu können. Aber wir kommen gerade so über die Runden“, zuckte er mit den Schultern.
„Ja, ich weiß“, seufzte Nancy. „Es tut mir leid, dass du auf dem Berg an Schulden sitzt.“
„Was soll ich machen? Die Behandlungen waren teuer, aber wir … ich … konnte nichts unversucht lassen. Nun muss ich damit leben …“
„Ich …“, brach die Erzieherin ab, denn Julius kam zu ihnen gerannt.
„Soll ich dir mal zeigen, was ich habe?“
„Was du bekommen hast?“, fragte Leif seinen Sohn.
„Ja“, nickte er und rannte schon wieder los.
Als er zurück kam, gingen seinem Vater fast die Augen über, denn sein Sohn hielt einen großen Kipper in der Hand.
„Den hast du geschenkt bekommen?“, fragte er noch einmal nach.
Nancy nickte und lächelte, als sie sah, dass nun beide Augenpaare um die Wette strahlten.
„Na, jetzt muss ich mich aber auch beim Weihnachtsmann bedanken!“, meinte Leif und lief los.