Sommer, Sonne, Strandkorb

Wasser und Ball

In Wallung (Linus)

Wieso bin ich gleich nochmal hier?
Das sollte doch eigentlich ein Liebesurlaub werden. Meine Schwester, zusammen mit ihrem Liebsten, und ich, zusammen mit meinem, wollten zwei tolle Wochen an der Ostsee verbringen. Wir haben super Luxuszimmer in einem geilen Hotel gebucht, alles organisiert und schon Monate vorher bezahlt.
Was dazu führte, dass mich die Stornokosten beinah genau so viel gekostet hätten, wie der Urlaub selbst, als ich das machen wollte. Wieso musste das denn aber auch passieren? Warum musste Marek, eine Woche bevor wir los wollten, seinen Schwanz in einen anderen Arsch als meinen schieben? Da half auch nicht, dass er mir die Ohren voll heulte, er würde das nie wieder tun.
Na ja, drauf geschissen, im wahrsten Sinne! Das Zimmer habe ich zumindest noch umbuchen können und meine Schwester hat es mir dann auch noch schön geredet. Als ob ich auf dieser Insel an jeder Ecke einen schönen, schwulen Typen aufgabeln könnte, um mich über meinen Ex hinweg zu trösten. Zum Glück musste ich ihm nur seinen Schlüssel vor die Füße werfen, weil wir noch nicht zusammen gewohnt haben.
Der Urlaub sollte so eine Art Probelauf für uns sein. Ha, dass ich nicht lache!
„’Tschuldigung“, reißt mich doch da glatt eine tiefe Stimme aus meinem Trübsal.
Was ist los? Ach ja, ich habe einen aufblasbaren Wasserball abbekommen. Das kann aber eigentlich gar nicht sein, denn ich sitze schon fast auf der Düne mit meinem Strandkorb. Aber trotzdem liegt er jetzt auf meinem nackten Bauch … den ich mal wieder eincremen muss, wenn ich nicht will, dass er rot wird wie die Schale von einem Hummer. Doch bevor ich mich weiter darauf konzentrieren kann, fällt ein Schatten auf mich. Unweigerlich scanne ich jetzt von durchtrainierten Oberschenkeln über eine knackig enge Badehose mit erfreulich viel Inhalt, wie mir scheint, und einen flachen, definierten Bauch nach oben. Auch die Brustmuskeln sind nett anzusehen.
Aber umgehauen werde ich von dem tollen Lächeln, das mich trifft. Es strahlt regelrecht, bis hinauf zu himmlisch hellgrünen Augen, die in einem hübschen, jungen Gesicht leuchten. Es ist umrahmt von kurzen, braunen Haaren. Sicher ist der süße Kerl höchstens Anfang zwanzig, eigentlich etwas zu jung für mich. Aber schauen darf man doch, oder?
„Kein Problem“, winke ich ab und reiche den Ball zurück.
„Danke“, lacht der Süße und ist wieder weg. „Ich hab doch gesagt, dass ihr erst am Wasser damit schießen sollt, damit ihr niemand stört“, weist er jetzt ein paar aus seiner Truppe zurecht.
„Ja, ja, schon gut, Malte!“
Das darf doch nicht wahr sein! Muss er fast genauso heißen, wie der Arsch mit Ohren? Ach, egal! Ich will ihn ja nur anschauen, so wie die Mädels hier am Strand, denen er gerade zuzwinkert. Sicher fliegen dem kleinen Sunny Boy jegliche Herzen zu….
Ein wenig später, nachdem ich noch etwas gedöst habe, fällt mein Blick wieder auf die Gruppe und mir läuft das Wasser im Mund zusammen! Malte war in der See und jetzt glitzern Tropfen überall auf seiner gebräunten Haut. Verdammt, sieht der Kleine heiß aus! Bei dem Anblick regt sich sofort was in meiner Mist, Mist, Mist! Wo ist mein Handtuch, um es mir über den Schritt zu werfen?
„Hey Brüderchen!“
Bevor ich reagieren kann, sitzt Lina schon neben mir und wirft mir einen skeptischen Blick zu, ehe sie sich umsieht. Dann flüstert sie mir was ins Ohr und ich kann nur mit hoch rotem Kopf nicken. Sie hat erkannt, wer mir da solche Probleme bereitet hat. Verdammt, sie kennt mich eben einfach zu gut….
„Du bist anscheinend u.v., mein Lieber! Sonst würde dir sowas nicht passieren. Ich meine, du bist neunundzwanzig, nicht fünfzehn!“, meint sie halb scherzend, halb tadelnd und sieht dabei auf meine gefalteten Hände.
Peinlicher geht’s wohl kaum noch!
„C.u.v?“, frage ich, um abzulenken.
„Chronisch untervögelt!“, säuselt mein Schwesterherz mir ins Ohr.
„Danke, Lina! Aber ja, du hast wohl recht. Mit Marek lief in letzter Zeit nur wenig, weil ich so im Stress war. Vielleicht dachte er deswegen, er muss einen Anderen knallen“, grummle ich in meinen Dreitagebart.
„Das ist keine Entschuldigung, Kleiner!“
„Hey! Du bist nur vier Minuten älter, Oma“, stichle ich zurück, aber sie interessiert das nicht sonderlich.
„Ja, eben! Ich habe viel mehr Lebenserfahrung, als du“, streckt sie mir doch tatsächlich die Zunge raus.
Wer ist hier jetzt fünfzehn, hmmm?
„Jedenfalls habe ich mit Ruwen auch schon die eine oder andere Durststrecke hinter mir und ich habe ihn nie mit einer Anderen im Bett erwischt! Also, wein dem Arsch bloß keine Träne nach, Linus!“
„Tu ich ja gar nicht. Denkst du, wenn ich das würde, hätte der Kleine da so was bei mir ausgelöst?“
Gerade, als ich drüber rede, merke ich, dass sich das Blut in meinem Körper wieder umverteilt hat. Gott sei Dank! Schwungvoll stelle ich mich auf, damit ich heute mal noch was anderes mache, als nur im Strandkorb auf meinem Badetuch in der Sonne zu räkeln und Trübsal zu blasen. Blasen wäre ja nicht schlecht, aber eben sicher nicht Trübsal. Der Sand unter meinen Füßen ist schön warm, die Luft auch und das Meer rauscht einladend.
Während Lina sich das schwarze Haar zusammen knotet, bin ich schon auf dem Weg.
Meine schulterlangen Fransen habe ich schließlich schon im Zopf. Das Wasser ist wirklich herrlich! Die Wellen laden dazu ein, durch zu tauchen und nachdem ich untergetaucht war, bin ich herrlich abgekühlt. Aber kaum kann ich wieder richtig sehen, spüre ich, wie jemand auf mir landet. Das kann nur mein geliebtes Schwesterherz sein! Na warte, mich runter drücken wollen…. Wie schön sie doch quieken und fliegen kann! Ja, ja, Lina weiß nicht, worauf sie sich da einlässt….
Wir haben sicher fast eine Stunde im Meer getobt und uns gegenseitig nichts geschenkt, während wir uns wie kleine Kinder benommen haben, aber es tat so gut! Von oben bis unten tropfend, und noch immer lachend, stehen wir jetzt da und trocknen uns ab. Dabei bedeutet Lina mir, dass ich mich zu ihr beugen soll.
Du wirst beobachtet“, flüstert sie mir ins Ohr.
Neugierig, wie ich bin, drehe ich mich ein bisschen, nur um zu sehen, wie Malte jetzt den Ball an den Kopf bekommt, weil er wohl etwas unkonzentriert war…. Lächelnd setze ich mich wieder in den Strandkorb und sehe ihm jetzt zu, wie er mit seinen Kumpels Beachvolleyball spielt. Der Wasserball war anscheinend nicht das einzige Spielzeug.
‚Ich stelle mich auch freiwillig zur Verfügung, wenn du was … anderes … zum Spielen brauchst…‘, schießt mir da doch glatt durch den Kopf und ich grinse etwas.
Ja, der Kleine bringt mich ganz schön in Wallung….

Verwirrung (Malte)

„Kommst du, Alter?“
„Ja, gleich“, stöhne ich genervt.
Wieso musste ich doch gleich nochmal mit hier her? Ach ja … Ostsee … Sonne, Strand, Meer und Mädels … oder doch eher Männer? Ich habe keine Ahnung mehr! Eigentlich war ich immer felsenfest der Meinung, dass ich auf Brüste stehe … und zwar nur auf Brüste, bis … ja, bis ich heute Morgen ein Bild von einem Mann in einem Strandkorb liegen sah, das meine Gedanken ganz schön durcheinandergewirbelt hat.
Klar, ich wollte mir endlich Bianca aus dem Kopf schlagen, ging immerhin schon vor drei Monaten auseinander und das sehr lautstark, zumindest von ihrer Seite aus, aber egal. Man(n) kann seinem Herz eben nichts befehlen, oder? Deswegen war ich auch so verwirrt, als dieser blöde Wasserball ausgerechnet auf dem Sixpack dieses Kerls landen musste.
Ich hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als mir erst mal die Grübchen an seinen Mundwinkeln zu betrachten, während ich mir vorstellte, wie ich entweder teste, ob sein Dreitagebart wirklich so weich ist, wie er aussieht, oder ob ich mich in seinem schwarzen Haar festkrallen kann, während ich … ja, was eigentlich?
Mein ‚Tschuldigung‘ war ja auch einfach nur peinlich. Ich habe meine Stimme ja kaum wiedererkannt, weil ich dachte, ich muss sie absichtlich ein wenig tiefer legen, um männlicher zu wirken. Dabei hatte ich das bisher noch nie nötig! Mein Training in der Wasserballmannschaft der Schule hat dazu geführt, dass ich einen wesentlich muskulöseren Körper habe, als andere Jungs in meinem Alter und dadurch nicht nur älter wirke, sondern auch immer Erfolg hatte.
„Wo bleibst du denn? Wenn wir noch in den Club kommen wollen, bevor die Ausweiskontrolle schärfer wird, dann müssen wir jetzt los!“, nervt jetzt Alex, mein bester Freund.
„Na und?“, frage ich noch immer genervt.
Ich wollte eigentlich nur in meinem Zelt bleiben und pennen. Der Tag war anstrengend genug! Reichte ja nicht, dass meine Hormone Amok liefen, als der Typ ins Wasser stolziert ist, nein ich musste auch noch zusehen, wie er erst mit seiner Schickse im Wasser tobt und dann auch noch dank der Ablenkung, als er sich abgetrocknet hat, den dämlichen Volleyball an den Kopf bekommen. Das hat echt weh getan! Aber schlimmer war mein verletzter Stolz, denn er hat doch tatsächlich deswegen gegrient! Scheiße!
„Also ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich wollte gern heute eine abschleppen und da wir beide noch nicht volljährig sind, müssen wir eher drin sein, als die Anderen! Schnallst du das jetzt endlich?“
Alex hat seinen Arm um meinen Hals gelegt und verwüstet gerade meine Frisur. Zum Dank gebe ich ihm einen Haken in die Rippen, der ihn keuchen lässt. Aber er lächelt nur und zieht mich einfach weiter. Ist ja nicht so, als gäbe es hier jeden Abend die Megaparty, auf der man Mädchen klarmachen kann. Kann ihn also schon verstehen. Na ja, egal. Ich werde ihn sicher eh nicht sehen. Der heiße Kerl hat ja seine Alte schon. Und außerdem weiß ich immer noch nicht, was ich von ihm würde wollen können. … Selbst in meinem Kopf hört sich das wirr an!

Discoabend (Linus)

Ich bin zu alt für den Mist! Wie gern würde ich jetzt bei einem gepflegten Whiskey in einem Liegestuhl die Seele baumeln lassen. Erschöpft genug war ich, nachdem ich mir den Nachmittag für meine eigenen Aktivitäten freigenommen hatte. Analplug und Dildo inklusive, versteht sich. Wenn ich nicht so abgeklärt wäre, dann müsste ich jetzt noch rot werden, wenn ich daran denke, was und wen ich mir vorgestellt habe, während ich es mir selbst besorgt habe … drei Mal wohlgemerkt … und jedes Mal, wenn ich kam, habe ich ‚Malte‘ gestöhnt.
Sag‘ ja, dass er mich ganz schön in Wallung versetzt hat! Der Kleine ist aber auch heiß, verdammt nochmal!
Aber es hat mich nicht davon abgehalten, gefühlte drei Stunden im Bad zu verbringen, um mich ein wenig zu stylen und dann in meinen Hosen und Hemden zu wühlen, bis ich mich für eine leichte, graue Sommerhose und ein weißes Hemd entschieden habe, das ich bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt habe. Ich kam einfach nicht gegen Lina und Ruwen an, als sie bestimmten, dass ich mal was anderes außer Sand und Meer und mein Hotelzimmer sehen müsste. Ist ja nicht so, als wären wir erst drei Tage hier….
Wenigstens ist es schon später am Abend, sodass die ganzen Kinder im Bettchen liegen und schlafen müssen. Das minimiert die Chance, dass man auf einen Typen trifft, der zu jung ist. … Falls es überhaupt in dem Alter interessante Jungs gibt. Nur Malte ist da eine Ausnahme, aber der ist ja auch etwas älter, wenn ich mich nicht verschätzt habe.
Der erste Drink war schnell leer. Was soll ich auch sonst tun? Lina knutscht mit ihrem Verlobten, die Musik ist … eher grausam … und außerdem werde ich sicher nicht alleine tanzen! Also erhebe ich mich aus meinem bequemen Sessel in der Ecknische und begebe mich wieder an die Bar. Diesmal wird es aber eher ein Bier werden, als etwas anderes. Der Whiskey war nicht das, was ich erwartet hatte.
Hey“, höre ich da von der Seite.
Verwirrt drehe ich mich, nur um vollkommen von Malte geflasht zu sein! Die Haare sehen aus, als wäre er gerade aus dem Bett gefallen, nur um mich wieder hinein zu zerren, und das schwarze Hemd liegt so eng an, dass ich mir nicht das Bild von heute Morgen in Erinnerung rufen muss, um mir den Körper darunter vorzustellen. Verdammt! Jetzt kommen mir aber wieder die Bilder in den Kopf, was ich gern alles mit ihm anstellen würde und ich merke, wie mein Kopf zur Tomate werden will…. Gott sei Dank kommt mein Bier, nach dem ich greifen kann, bevor es peinlich wird.
„Hey Malte“, würge ich dann doch ein wenig heiser heraus.
„Woher weißt du meinen Namen?“, fragt mich der Sex auf zwei Beinen verwundert.
„Dei … deine Kumpel … heute Morgen … am Strand … sie riefen dich doch so, oder?“, stottere ich hervor, als wäre ich behämmert.
Wo ist mein IQ, wenn ich ihn mal brauche?
„Ach, ja“, lacht er jetzt und kratzt sich am Hinterkopf.
Selbst das sieht sexy aus! Oder ich bin einfach nur rattenscharf auf ihn. Das ist mir echt schon ewig nicht mehr passiert.
„Na … jedenfalls … ich bin Linus“, bringe ich noch hervor.
Ich strecke meine Hand aus, wie man das eben so tut, wenn man sich gerade miteinander bekannt macht, und habe gleich seine warmen Finger darin, die sich echt gut anfühlen. Wir stehen eine gefühlte Ewigkeit so herum, obwohl es nur Sekunden sind, bis er jetzt seinen Drink bekommt, irgendeinen süßen Cocktail, wie mir scheint. Aber … er geht nicht, sondern sieht sich suchend um.
„Bist du allein hier?“, fragt er verwundert.
„Ja … mehr oder weniger“, meine ich und zucke mit den Schultern.
Hat Bier schon immer so wenig gekühlt, wenn ich es getrunken habe? Man ist mir warm! Aber der verwunderte Blick von Malte ist auch einfach zu niedlich.
„Meine Schwester ist mit ihrem Verlobten beschäftigt“, erkläre ich.
„Aha. Und deine Frau?“
Irre ich mich, oder sieht der Kleine ein wenig geknickt aus, als er mich das fragt?
„Welche Frau?“, ziehe ich eine Augenbraue hoch.
„Na die, mit der du am Strand warst.“
„Das war doch meine Schwester. Ich bin Single“, schließe ich.
‚Ja, genau, binde es ihm nur auf die Nase, ganz toll. Noch mehr kann ich mich ja kaum anbieten‘, werfe ich mir selbst in Gedanken vor.
Aber nun hellt sich Maltes Gesicht wieder auf. Er lächelt wieder und fragt doch tatsächlich, ob wir uns nicht noch ein bisschen unterhalten wollen. Wie kann ich da widerstehen? Also nehmen wir nun eine eigene Sitznische in Beschlag, in der es etwas ruhiger ist.